Frühling in der Toskana

Val d'Orcia
Val d'Orcia

Denkt man an die Toskana, hat man sanfte Hügel, zypressengesäumte Alleen und feinstes Licht vor Augen. Und genau das war es, was ich zusammen mit einer befreundeten Fotografin aus Hamburg erleben durfte. Unsere Erwartungen an dieses landschaftliche Paradies wurden beinahe täglich übertroffen.

 

Am 7. März starteten wir mit Swiss Air ab Hamburg und kamen mit einer Zwischenlandung in Zürich pünktlich am Nachmittag in Florenz an. Wir hatten eine komfortable Wohnung mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einer großen Terrasse in San Quirico d'Orcia gemietet, also im Herzen der Toskana, die schönsten Spots hatte ich akribisch recherchiert, nur die Wettervorhersage trübte die Vorfreude auf unsere Woche in Bella Italia etwas. Aber erstmal den Leihwagen übernehmen und auf nach San Quirico. Schon unterwegs voller "aaahhh wie schön" und "oohhhh hier könnte man schon anhalten und fotografieren" übten wir uns in Disziplin, suchten zunächst unser Domizil auf und kauften die wichtigsten Grundnahrungsmittel wie Kaffee und Co. ein. Noch ein schneller Blick auf das Podere Belvedere, nur wenige Minuten entfernt gelegen, und dann ging unser Tag zur Neige.

 

Podere il Granaio l Crete Senesi
Podere il Granaio l Crete Senesi

Am ersten Tag war ausschlafen angesagt, weil es morgens regnete. Mittags ging es an den Lago di Trasimeno, der uns allerdings keine Motive bot. Anschließend waren wir im Landstrich Crete Senesi unterwegs. Hier fanden wir verschiedene lohnenswerte Ansichten, die sich im Nachmittagslicht vor uns ausbreiteten, fotografierten Hügeldetails, die Strada di Leonida, das Podere il Granaio und das Agriturismo Capanne mit der Silhouette von Siena im Hintergrund. Das war die Toskana, wie wir uns sie vorgestellt hatten.

 

Die oft längeren Fahrten konnten wir dank Apple CarPlay im Auto mit angenehmer Musik untermalen. Zum Glück teilen wir nicht nur die Vorliebe für hinreißende Landschaften, sondern auch einen guten Musikgeschmack;-)

 

 

Agriturismo Baccoleno l Crete Senesi
Agriturismo Baccoleno l Crete Senesi

Den Morgen drauf war wieder dichte Bewölkung angesagt. Als wir jedoch die Rollladen hochzogen, traf uns quasi der Schlag: es war sonnig! Das, was die App RegenRadar anzeigte, war vermutlich feinster Nebel. Das würde uns nicht nochmal passieren. Wir nutzten den Tag, um Croce di Prata und Cappella di Vitaleta zu scouten, zwei Spots, die wir zum Sonnenaufgang besuchten wollten, so dass es sinnvoll ist, die Bedingungen vorher gesehen zu haben. Schließlich schauten wir uns noch Pienza an, eines der alten, verwinkelten und idyllischen Städtchen in der Toskana.

 

Abends nahmen wir Kurs auf das bekannte Agriturismo Baccoleno. Zu unserem großen Bedauern ist der Hügel, von dem aus man die gewundene Zypressenallee - das Toskana-Motiv schlechthin - besonders schön in Szene setzen kann, komplett abgesperrt. Overtourism lässt grüßen... Also nahmen wir den zweitbesten Standpunkt in Angriff und fanden eine Position, in der die für die Toskana typischen Biancane, die durch Erosion entstandenen Hügel und Wellen, weniger mächtig erschienen. 

 

Immerhin war uns das Licht gewogen, der Abendhimmel zeigte sich uns in seinen feinsten Farben.

Podere Belvedere
Podere Belvedere

Um nicht noch einmal auf die Wettervorhersage reinzufallen und etwas zu verpassen, ging es morgens früh raus. Gegen 6.30 h, also vor Sonnenaufgang fingen wir die ersten Impressionen vom Podere Belvedere ein. Nebel in den Tälern und sanfte Himmelstöne dazu, das hatten wir uns gewünscht!

 

Am Podere Belvedere gibt es noch einen zweiten Standort weiter links, den wir selbstverständlich auch noch mitnahmen. Anschließend ging es noch zu einer Straße, von der man aus der Ferne einen sehr schönen Blick auf die Cappella di Vitaleta hat. Durch den zarten Morgennebel waren die unansehnlich braunen Details des Hügels, auf der die kleine Kapelle thront, perfekt verdeckt. Ein wunderbarer Anblick war das! 

 

Was wir an diesem Morgen auch lernten: die Toskana besteht aus sehr feuchten und sehr gelben Lehmböden. Unsere Schuhe hatten sich dementsprechend in Lehmgelb vergrößert und waren um ein Vielfaches schwerer geworden. Gut, dass wir beide ON-Turnschuhe anhatten, in deren spezieller Sohle sich besonders viel Lehm versenken lässt. Fortan hatten wir eine große Einkaufstasche im Auto für die Lehmziegel an unseren Füßen und Ersatzschuhe dabei. 

Pitigliano l Maremma
Pitigliano l Maremma

Nach dem verdienten Frühstück hieß es also erstmal: Schuhe putzen. Was für eine Plackerei, den Lehm zu entfernen. Zum Glück führe ich auf Reisen eine grobe Schuhbürste - auf Madeira für ähnliche Problemlagen erworben - mit mir. Die tägliche Reinigung von Schuhen, Klamotten, Rucksäcken und Stativen mit anschließender Trocknung auf der Sonnenterrasse wurde ab jetzt unser nur mäßig geliebtes Morgenritual.

 

Nachmittags waren wir Richtung Maremma unterwegs. Wir schauten uns Sorano mit seinen verwinkelten Gassen an und fuhren weiter nach Pitigliano, mit seinem mittelalterlichen Stadtkern malerisch auf Tuffstein gelegen. Bis zur blauen Stunde waren wir dort, um dann die Rückreise anzutreten. In diesem Teil der Toskana sind die Straßenverhältnisse übrigens verheerend, Wellen wechseln sich mit schlimmsten Schlaglöchern ab. Allerdings begreifen die Italiener die für meinen Geschmack übermäßig strengen Geschwindigkeitsbegrenzungen genau wie permanente Überholverbote eher als Anregungen. Da konnte ich mich mühelos anpassen.

Poggio Covili l Val d'Orcia
Poggio Covili l Val d'Orcia

Meiner Mitfotografin war die mehr als holprige Fahrt gestern nicht wirklich gut bekommen, der Rücken meldete sich auf's Unangenehmste. Also war ich morgens erstmal alleine unterwegs und besuchte zum Sonnenaufgang ein weiteres Must Have der Toskana: das Agriturismo Poggio Covili. Der Himmel war sehenswert und ich fand noch einen erhöhten Spot, von dem aus man eine tolle Perspektive auf das Agriturismo mit seiner beeindruckenden Zypressenallee hat.

 

Mittags war ein Besuch bei Dott. Paolo Zamperini in San Quirico angesagt, dem es gelang, die geschundene Begleitung wieder in einen halbwegs tauglichen Zustand zu spritzen.

 

Gleichwohl war ich abends nochmals allein unterwegs und sah mir die Cappella di Vitaleta von der anderen Seite und damit aus der Nähe an. Ich war an diesem Abend bis auf zwei Schweizerinnen völlig alleine dort, so liebe ich das. Insgesamt muss man aber sagen, dass es überall sehr entspannt war, sowohl an den Spots als auch auf den Straßen und in den Dörfern. März scheint die richtige Zeit zu sein, wenn man wie wir Touristen- und Fotografenmassen nicht wirklich schätzt.

Siena
Siena

Anderentags ermöglichte es die Gnade des morgendlichen Regens auszuschlafen, was zwischendurch auch sehr angenehm war.

 

Heute konnten wir wieder zusammen unterwegs sein und machten uns auf nach Siena. Nach einem Spurt durch die Gassen und einem zugegebenermaßen unwürdig kurzen Blick auf die Piazza del Campo und den Duomo hatten wir uns einen Standpunkt rausgesucht, der einen tollen Blick auf die Stadt bietet. Zur blauen Stunde erstrahlte der Dom hoch oben über der Stadt und schenkte der Kulisse die passende Atmosphäre.

 

Unser Tagwerk war vollbracht und es ging zurück nach San Quirico.

Croce di Prata l Val d'Orcia
Croce di Prata l Val d'Orcia

Der ViewFindr versprach Himmelsröte zum Sonnenaufgang und wir wurden nicht enttäuscht. Was für ein Schauspiel, das wir erst erneut am Podere Belvedere einfingen und dann - wenige Fahrminuten entfernt - am Croce di Prata. In den Tälern wiederum Nebelfelder, der perfekte Toskana-Morgen. Fotografenherz, was willst du mehr!

 

Mittlerweile war unser letzter Tag angebrochen, so dass Packen und vor allem mal Autosäubern angesagt war. Der lehmgelbe Zustand der Fußmatten und des Kofferraums lud nicht dazu ein, das bei Übernahme nagelneue Gefährt mit 10 km auf dem Tacho so zurückzugeben.

 

Abends ging es noch einmal zur Cappella die Vitaleta, die mit feinstem Rosa im Hintergrund aufwartete. Ein hervorragendes Essen in einem toskanischen Restaurant in San Quirico war heute der passende Abschluss für unsere denkwürdigen Tage.

Poggio Covili l Val d'Orcia
Poggio Covili l Val d'Orcia

Am Abreisetag nochmal früh raus? Aber sicher! Zum Glück, denn heute wartete der zauberhafteste Morgen überhaupt auf uns. Der Nebel gerade richtig, nicht zu viel, nicht zu wenig. Die Sonne stieg über den Horizont und verwandelte den Nebel in pures Gold, was für ein unfassbarer Anblick. Da hüpft das Fotografenherz!

 

Nach diesem epischen Abschluss führte uns die Reise zurück zum Flughafen Florenz, wo wir den Leihwagen nach 1.014 gefahrenen Kilometern zurückgaben, und mit Air Dolomiti und Lufthansa über München zurück nach Hamburg flogen.

 

Das Fazit dieser Reise: die Toskana ist noch schöner, als ich sie mir vorgestellt hatte. Die Lichtstimmungen waren entgegen der mäßigen Vorhersage ein ums andere Mal vom Feinsten. Es war jederzeit entspannt in Italien, im Land der Verheißungen, und dank meiner Eltern seit frühester Kindheit und Jugend meine große Liebe... 

 

Zum Schluss noch eine überraschende Erkenntnis nach einer Woche Toskana: als bekennender Weitwinkel-Fan habe ich in dieser außergewöhnlichen Landschaft nicht einmal mein geliebtes RF 14-35 genutzt. Meistens kam das RF 24-105 zum Einsatz und oft auch das RF 70-200 mit hohen Brennweiten. Diese besondere Landschaft erfordert eine für mich ungewohnte Fotografie, die die Hügelketten verdichtet, den Nebel intensiviert und nah an den faszinierenden Strukturen und Silhouetten ist. Gleichzeitig will dem Himmel genug Platz eingeräumt werden. Es sind grundlegend andere Bilder als an den Küsten Deutschlands und Skandinaviens entstanden und die Auswahl, welche davon einen Platz an der Wand finden, wird mir schwerfallen.

 

Mehr Impressionen dieser besonderen Woche findet ihr in der Galerie unter Toskana.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefan Fuchs (Donnerstag, 19 März 2026 09:02)

    Liebe Ulla,

    ein sehr schöner Bericht und traumhaft schöne Fotos von Eurer Reise in die Toskana. Da ich vor zwei Jahren zu Pfingsten ja eine ähnliche Tour unternahm, war dein Reisebericht gespickt mit schönen deja vus. Und Ihr hattet tolle Wetterbedingungen, was für ein Glück! Interessant auch dein Fazit, was die Obejktivnutzung betrifft, die kann ich komplett nachvollziehen!
    Liebe Grüße
    Stefan