
Hamburg ist bekannt für seine Kontorhäuser, von denen viele in der Zeit um 1900 entstanden sind. Die Kontorhäuser haben oft besondere Treppenhäuser, die sich durch ihre repräsentative Gestaltung auszeichnen und als Visitenkarte der Gebäude dienen. Sie spiegeln die architektonische Ästethik des Außenbaus wider und weisen Merkmale wie Galerien, kunstvolle Geländer und aufwendig gestaltete Antrittspfosten auf.
Bislang habe ich nur selten Innenräume und Treppenhäuser fotografiert und das mehr als Nebenprodukt auf Reisen, zum Beispiel in Rotterdam und Antwerpen. Aber die grafischen Formen und geschwungenen Linien von Treppenhäusern begeistern mich schon länger.
Nun wurde es Zeit, mich dem Genre der Innenarchitektur ausgiebig und in Ruhe zu widmen. Einige Kontorhäuser kannte ich schon von einem Ausflug unseres Fotoclubs Nordfriesland. Leider haben wir die schönsten Treppenhäuser in der Dunkelheit besucht, so dass der lichtdurchflutete Eindruck fehlte. Daher bin ich nochmal allein für drei Tage nach Hamburg gefahren, hatte vorher eine Vielzahl sehenswerter Treppenhäuser gegoogelt und notiert und bin dann den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen auf dem Suche nach dem besonderen Innenleben der alten, denkmalgeschüzten Häuser. Das Auto habe ich im Parkhaus stehen lassen und bin dann mit einem leichten Stativ, meinen 14-35mm an der Canon R5II und meiner Liste der Kontorhäuser gestartet.

Einige Kontorhäuser besitzen mehrere Treppenhäuser, die sich teils in ihrer Gestaltung unterscheiden, wie das Chilehaus mit seinen drei unterschiedlichen Eingängen. Dieses helle Treppenhaus ist im Portal B zu finden, aber auch das Portal C hat einen sehenswerten Aufgang.
Ich habe festgestellt, dass es sich lohnt, zuerst ganz oben in den Treppenhäusern anzufangen, um den Kuppelcharakter wie hier im Chilehaus oder auch im Sprinkenhof einzufangen. Dann bin ich Etage für Etage nach unten gegangen, weil die einzelnen Stockwerke wieder einen ganz anderen Einrdruck bieten.
Die Mehrzahl der Kontorhäuser, die ich auf meiner Liste hatte, sind frei zugänglich. Man ist fast überall alleine und kann ich aller Ruhe fotografieren. In den Kontorhäusern befinden sich heute Büroflächen mit Firmen und Kanzleien, deren Mitarbeiter sich dankenswerterweise offenbar nur zur Mittagszeit mal kurz durch das Gebäude bewegen.

Viele Kontorhäuser haben wunderschöne, spiralförmige Treppenaufgänge, die oft wie Schneckenhäuser anmuten.
Hier lohnt es sich, neben einem Blick von oben auch einen Blick von unten in die Spiralen zu werfen. Auf den ersten Blick kann man kaum erkennen, dass es dasselbe Treppenhaus ist, so unterschiedlich ist die Farbgebung. Außerdem gibt es oftmals oben spezielle Oberlichter oder Ornamente, während unten teilweise aufwändig gestaltete Fußböden den Abschluss bilden.
Das Treppenhaus im Brahms Kontor ist für seine farbenprächtigen Mosaikfliesen bekannt.

Und so sieht es im Brahms Kontor von unten aus. Ein völlig anderer Eindruck, nur am blauen Geländer kann man erkennen, dass es derselbe Treppenaufgang ist.
Die Varianz der Blickrichtungen, die Symmetrie der geschwungenen Spiralen, die reichen Verzierungen oder schlichten Farbflächen der unterschiedlichen Treppenhäuser finde ich faszinierend.
Und: Treppenhausfotografie ist ein echtes Winterprojekt. Drinnen ist es trocken und warm, also beste Bedingungen, um sein Stativ in aller Ruhe aufzustellen und auszurichten, und ein bewölkter Tag ist ideal, weil Sonneneinstrahlung zu harte Kontraste mit sich bringen würde.
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