Arktisches Licht auf den Lofoten

 

Am 28. Januar ging es für mich von Hamburg nach Frankfurt. Am anderen Morgen traf Claudia in Frankfurt ein und unsere Reise auf die Lofoten sollte beginnen - dachten wir. Aber es kam zunächst anders.

 

In Frankfurt ging es mit der Lufthansa pünktlich los nach Oslo, dort kamen wir gegen Mittag an. Am frühen Nachmittag sollte uns die SAS nach Bodø bringen, wo wir eine Übernachtung gebucht hatten, um am anderen Morgen früh nach Leknes zu starten. Allerdings braute sich an der Küste Norwegens bereits ein Sturm zusammen, der dafür sorgte, dass unser Flieger nach Bodø gecancelled wurde. Nun ja, das kommt vor im skandinavischen Winter.  Am nächsten Tag waren alle Maschinen ausgebucht, so dass uns die SAS auf den übernächsten Tag, den 31. Januar umbuchte. Ärgerlich, aber wir waren in einem schönen Hotel am Airport untergebracht und ließen uns nicht die Laune verderben, sondern erkundeten einen Tag lang Oslo. Was für eine tolle Stadt mit ihren Gegensätzen zwischen altem Stadtkern und moderner Architektur am Hafen - und das alles mit der hyggeligen Lässigkeit Skandinaviens.

 

 

Am 31. Januar, also bereits mit zwei Tagen Verspätung, flogen wir dann tatsächlich mittags nach Bodø, wo wir um 14.15 h landeten. Um 17.40 h sollte es mit der Widerøe nach Leknes weitergehen. Der Flug wurde - richtig - aufgrund eines Sturms storniert. Uns wurde ein neuer Start abends um 22.40 h in Aussicht gestellt. So verbrachten wir lange Stunden auf unbequemen Holzstühlen am wenig unterhaltsamen Flughafen in Bodø in der Hoffnung, abends nach Leknes zu kommen, befragten abwechselnd unsere iPhones und Macs, die alle dieselben schlechten Wetternachrichten übermittelten. Die Maschine aus Leknes landete aber tatsächlich pünktlich um 22.00 h, unser Gepäck war aufgegeben, wir waren bereits hoffnungsfroh am richtigen Gate, als um 22.30 h die Nachricht kam: der Flug fällt wetterbedingt aus. Langsam war es nicht mehr lustig. Wir wurden von der Widerøe in ein Hotel am Hafen von Bodø geschickt. Uns war klar, dass wir am nächsten Tag sicher nicht weiterfliegen, weil ein starker Orkan vorausgesagt war. Die Windvorhersagekarten überboten sich in roten und pinkfarbenen Ansichten. Tatsächlich wurde ich morgens um 7.00 h von heftigem Lärm wach. Nachdem ich kurz unsensible Nachbarn im Verdacht hatte, wurde mir schnell klar: da rüttelt der Sturm an den Fenstern in der 6. Etage, oha! Aus dem Fenster konnte ich bereits sehen, dass die Straßen rund um den Hafen mit Blaulicht abgeriegelt wurden.

 

Nach einem gemütlichen Frühstück verbrachten wir den Tag damit, unsere Flüge für den nächsten Tag zu synchronisieren - da hatte uns die Widerøe tasächlich auf verschiedene Flüge gebucht -, die Übernahme des Mietwagens ein weiteres Mal zu verschieben und dafür zu sorgen, dass wir nicht noch innerhalb Bodøs das Hotel wechseln mussten, wie sich das die Widerøe gedacht hatte.

 

Wir erhielten amtliche Warnmeldungen für Bodø, dass aufgrund des Orkantiefs Ingunn Lebensgefahr herrsche und der gesamte Bereich um den Hafen abgesperrt sei. Genau dort lag unser Hotel. Man möge als lebenserhaltene Maßnahme bitte in geschlossenen Häusern bleiben. Tatsächlich erlebten wir den stärksten Orkan, der Norwegen seit 30 Jahren getroffen hat, mit Böen bis 180 km/h, die für Stromausfälle, gesperrte Straßen und abgeriegelte Städte sorgten. Diese Wetterlage war sogar der Tagesschau, dem Spiegel online und anderen deutschen Medien eine Meldung wert und wir saßen mittendrin.

 

Sturm in Norwegen "Man muss auf den Füßen bleiben"

 

Nachmittags trauten wir uns doch raus Richtung Hafen und hatten Mühe, uns in den Böen auf den Beinen zu halten. Unser Ausflug hatte sich schnell erledigt. Abends beruhigte es sich merklich und wir konnten in eine Pizzeria gehen.

 

Am anderen Morgen, am 2. Februar um 7.05 h, ging es dann tatsächlich weiter nach Leknes, wir konnten es kaum glauben! Gegen halb acht nahmen wir bereits unseren Mietwagen in Besitz und es ging Richtung Süden, wo unser erstes Domizil in Sakrisøy gebucht war, eine der wunderschönen, bekannten gelben Fischerhütten, die wir nur einen statt der geplanten vier Tage nutzen konnten. Gepäck ins hübsch eingerichtete Haus geworfen, Stativ aus der Reisetasche gezerrt, Fotorucksack geschnappt und los ging's. Erstmal auf den Sakrisøy gegenüberliegenden Berg, wo uns bei immer noch starkem Wind tolle Lichtstimmungen über der Insel erwarteten. Nach einer Stärkung bei Anita's Seafood waren wir zur blauen Stunde in Reine, wo wir eine wunderbare Ansicht über den schönen Ort aufnehmen konnten und erstmal das Nötigste eingekauft haben. Da die blaue Stunde lang ist, konnten wir auch von Sakrisøy und der Gelben Hütte vor dem Mt. Olstinden noch recht gelungene Aufnahmen mitnehmen. Wir hatten schließlich einige Tage aufzuholen.

 

 

 

Am nächsten Tag waren wir zum Sonnenaufgang in Hamnøy, nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt und erlebten den Klassiker der Lofoten schlechthin mit einem zauberhaften Himmel.  Der gesamte Tag war vom Wechsel zwischen Sonne und starken Schneeschauern geprägt, was herausfordernd war, uns immer wieder Pausen im Auto, aber auch fantastische Lichtstimmungen bescherte. Wir hielten uns noch eine Weile im Süden der Lofoten auf, mussten aber unser schönes Rorbuer nach einer Nacht räumen und arbeiteten uns langsam Richtung Norden vor. Bei der Roten Hütte Ramberg legten wir einen ersten Fotostop ein und dann einen weiteren am Skagsanden Beach, wo der Himmel gerade zartrosa und orange leuchtete.

 

Damit wir erst gar nicht auf die Idee kämen, dass die Tage nun reibungslos laufen, standen wir am Flakstadpollen erstmal im Stau, weil ein LKW von der eisglatten Fahrbahn gerutscht war. Nach einer Stunde Wartens im erkalteten Auto wurde der LKW mit schwerem Gerät rausgezogen und es ging weiter. Nur unsere Einkaufsmöglichkeiten hatten sich aufgrund der Zeitverzögerung drastisch verschlechtert. Weitere Unbill lauerte in unserer zweiten Unterkunft im Lofoten Base Camp bei Leknes: die Heizung war offenbar ausgefallen, es war und blieb eiskalt im Haus. Der ausgesprochen nette Vermieter eilte herbei, brachte uns zur Erwärmung zwei Elektroöfen und einen Rotwein mit und konnte die Fußbodenheizung schlussendlich überzeugen, wieder anzulaufen.

 

 

Am folgenden Morgen schneite es stark und wir entschlossen uns, Nusfjord einen Besuch abzustatten, was wir letztes Jahr nicht geschafft hatten. Bei kräftigem Schneefall kehrten wir erstmal ins Landhandleriet Café mit seinem musealen Charme ein. Es wurde trocken und wir konnten ein paar Fotos in diesem idyllischen Fischerdorf machen, das teilweise als Museumsdorf fungiert und für seine im 19. Jahrhundert gebauten Rorbuer bekannt ist. Im Architekturschutzjahr der UNESCO 1975 wurde Nusfjord als einer von drei norwegischen Orten zur Bewahrung historischer Gebäude ausgewählt. Nusfjord gehört allerdings nicht zum UNESCO Weltkulturerbe wie es gern behauptet wird, u.a. um Eintritt in das Dorf zu nehmen;-)

Im Architekturschutzjahr der UNESCO 1975 wurde Nusfjord als einer von drei Orten in Norwegen als Projekt zur Bewahrung der historischen Gebäude ausgewählt. Es stimmt aber nicht, dass Nusfjord auf der UNESCO Weltkulturerbeliste o.ä. steht.

 

Im Architekturschutzjahr der UNESCO 1975 wurde Nusfjord als einer von drei Orten in Norwegen als Projekt zur Bewahrung der historischen Gebäude ausgewählt. Es stimmt aber nicht, dass Nusfjord auf der UNESCO Weltkulturerbeliste o.ä. steht.
Im Architekturschutzjahr der UNESCO 1975 wurde Nusfjord als einer von drei Orten in Norwegen als Projekt zur Bewahrung der historischen Gebäude ausgewählt. Es stimmt aber nicht, dass Nusfjord auf der UNESCO Weltkulturerbeliste o.ä. steht.
Im Architekturschutzjahr der UNESCO 1975 wurde Nusfjord als einer von drei Orten in Norwegen als Projekt zur Bewahrung der historischen Gebäude ausgewählt. Es stimmt aber nicht, dass Nusfjord auf der UNESCO Weltkulturerbeliste o.ä. steht.

 

Für den Morgen des 5. Februar war ein schöner Sonnenaufgang vorhergesagt. Also standen wir früh auf und fuhren zu unserem nördlichsten Spot, einer kleinen, malerisch gelegenen Insel bei Svolvær, um pünktlich vor neun zum ersten Licht vor Ort zu sein. Zuerst konnten wir den hinter der Insel gelegenen Berg noch wunderschön mitnehmen, dann zog es plötzlich zu und es entstand ein unglaubliches Farbspektakel in Grün und Orange. Alles richtig gemacht!

 

Auf dem Rückweg hielten wir am Rorvik Strand an und an anderen Stellen entlang der E10, an denen sich gerade das besondere Licht zeigte. Der Kirche von Gimsøy statteten wir auch noch einen Besuch ab. Das Gelände rund um die malerische Kirche begrüßte uns mit unberührtem Neuschnee ohne jede Fußspur, ein außergewöhnliches Glück. Zum Sonnenuntergang waren wir am Vareid Strand, wo sich das letzte Licht des Tages in den flachen Steinpools an der Küste spiegelte. Ein rundum gelungener Tag!

 

 

Und schon war der letzte Tag auf den Lofoten angebrochen. Wir erlebten einen sensationellen Sonnenaufgang, den wir von der Terrasse unseres Rorbuer aus fotografieren konnten. Dann machten wir uns auf den Weg und suchten verschiedene Strände und Küstenabschnitte auf, die wir noch nicht kannten, zum Beispiel Storsandnes Beach und Flakstadpollen Ost. Weil die Neuschneedecke so schön war, fuhren wir nochmal in Ramberg die Rote Hütte an, natürlich nicht ohne in das Café in Ramberg einzukehren, und erlebten unseren letzten, wieder unfassbar schönen Sonnenuntergang am Haukland Beach. Ein Tag mit wunderbarem Licht und einer enormen Fotoausbeute ganz nach unseren Vorstellungen!

 

 

Unsere Rückreise stand an. Und damit diese im Vergleich zur Hinreise nicht zu langweilig werden sollte, gerieten wir in den Streik des Lufthansa-Bodenpersonals. Wir konnten es nicht glauben... Ich buchte ab Oslo um und konnte ohne einen Umweg über Deutschland direkt nach Billund in Dänemark fliegen. Da holte mein Mann mich ab und ich war sogar früher zu Hause, als ich es mit den ursprünglich gebuchten Flügen über Frankfurt und Hamburg gewesen wäre. Für Claudia war es nicht so einfach. Für sie kam nur Frankfurt oder München in Frage, so dass der Streik ihr noch einen Tag Zwangaufenthalt in Bodø bescherte.

 

Unser Fazit: Lofoten im Winter ist und bleibt eine Abenteuerreise. Auf der für mich sechstägigen, für Claudia fünftägigen Hinreise kam uns mitunter schon der Gedanke, abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren. Gut, dass wir es nicht gemacht haben! Denn die fünf von acht gebuchten Tage waren voll mit tollen Spots, feinstem arktischen Licht und sehr viel Spaß zusammen. Aber sollte ich auf die Idee kommen, die Lofoten im Winter ein viertes Mal besuchen zu wollen, werde ich das nur noch spontan mit Aussicht auf ruhiges Wetter machen.

 

Mehr Bilder unserer Reise gibt es hier:

Galerie - Lofoten

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Gisela Wagner (Sonntag, 11 Februar 2024 14:46)

    Wir waren letztes Jahr im März auf den Lofoten und haben eine traumhaft schöne Zeit dort erlebt. Das Wetter kann dort sehr schnell umschwenken �. Aber so Wetterkapriolen wie ihr sie erlebt habt, hatten wir natürlich nicht.
    Du hast wunderschöne und exzellente Fotos trotz der erschwerten Bedingungen gemacht. Mein Glückwunsch…war sicherlich eine tolle und erfolgreiche Fotoreise �!

  • #2

    Sylvia (Sonntag, 11 Februar 2024 14:48)

    Ein sehr schöner, auch humorvoll geschriebener Beitrag. Ich werde im März die Lofoten besuchen und freue mich schon sehr drauf. Und Deine Beschreibungen wecken Vorfreude pur!!! Viele liebe Grüße!

  • #3

    Claudia (Sonntag, 11 Februar 2024 22:58)

    Sehr schön festgehalten unsere in jeder Hinsicht unvergessliche Reise - danke dafür! Trotz aller Hindernisse hatten wir auch viel Spaß, uns nicht unterkriegen lassen und wurden letztlich dafür mit dem ganz besonderen arktischen Licht belohnt. Für mich ein Traum, so einen Profi in der Landschaftsfotografie wie dich auf dieser Reise dabei zu haben. Vielen Dank für die TOP-Planung, Vorbereitung, Unterstützung beim Fotografieren und Tipps für die Bearbeitung! Liebe Grüße von deiner Reisebegleitung!

  • #4

    Anke Gehlhaar (Mittwoch, 14 Februar 2024 22:12)

    Vielen Dank für deine so ausführliche und persönliche Darstellung deiner Reise in Wort und Bild. wobei deine Bilder für mich von unglaublicher Schönheit sind. Vor langer Zeit war ich an all den Orten, die du benennst, doch im Sommer, das ist so anders.